Der Digitale Produktpass (DPP) wird in der EU schrittweise verpflichtend. Einen einheitlichen Stichtag für alle Produkte gibt es jedoch nicht. Welche Frist gilt, hängt von der jeweiligen Produktgruppe und dem entsprechenden EU-Rechtsakt ab.

Der erste verbindliche Termin steht bereits fest: Ab dem 18. Februar 2027 benötigen bestimmte Batterien einen digitalen Batteriepass. Weitere Branchen wie Eisen und Stahl, Textilien, Aluminium, Reifen oder Möbel folgen schrittweise.

DPP-Zeitplan 2026–2030

ProduktgruppeZeitpunktWas passiert?DPP-Pflicht
Batterien18.02.2027Verbindlicher Batteriepass für EV-Batterien, LMT-Batterien und Industriebatterien > 2 kWhFixer Pflichttermin
Eisen & StahlQ4 2026 geplantVerabschiedung des ersten produktspezifischen ESPR-Rechtsakts ist aktuell für Q4/2026 vorgesehen.Anwendung frühestens 18 Monate später
Textilien2027 geplantProduktspezifischer ESPR-Rechtsakt soll verabschiedet werden.Anwendung frühestens 18 Monate später
Reifen, Aluminium2027 geplantProduktspezifischer ESPR-Rechtsakt vorgesehen.Anwendung frühestens 18 Monate später
Möbel2028 geplantProduktspezifischer ESPR-Rechtsakt vorgesehen.Anwendung frühestens 18 Monate später
Bauprodukte2028 geplantDie Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110 sieht ein eigenes, mit dem ESPR interoperables DPP-System vor.Anwendung frühestens 18 Monate später
Matratzen2029 geplantProduktspezifischer ESPR-Rechtsakt vorgesehen.Anwendung frühestens 18 Monate später
Elektro-/Elektronikgeräte2029 geplantHorizontaler Rechtsakt zu Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteil vorgesehen.Abhängig vom finalen Rechtsakt
Wasch- & Reinigungsmittel23.09.2029Neue Detergenzien-Verordnung (EU) 2026/405 wird grundsätzlich anwendbar. Hersteller müssen für die erfassten Produkte einen DPP erstellen. Fixer Pflichttermin
Spielzeug01.08.2030Spielzeugverordnung (EU) 2025/2509Fixer Pflichttermin

Wichtig: Die Jahresangaben des ESPR-Arbeitsplans bezeichnen überwiegend den geplanten Zeitpunkt für den jeweiligen produktspezifischen Rechtsakt – nicht automatisch den Beginn der DPP-Pflicht.

Nach der Ökodesign-Verordnung ESPR muss zwischen dem Inkrafttreten eines delegierten Rechtsakts und seiner Anwendung grundsätzlich eine Übergangsfrist von mindestens 18 Monaten liegen.

2026: Das EU-DPP-Register startet

Seit dem 20. Juli 2026 ist das zentrale Register für Digitale Produktpässe der Europäischen Kommission in Betrieb. Dort werden unter anderem eindeutige Produktkennungen registriert. Die eigentlichen Produktinformationen können weiterhin dezentral bereitgestellt werden.

2027: Der Batteriepass wird Pflicht

Der erste bereits verbindlich festgelegte DPP-Termin ist der 18. Februar 2027.

Ab diesem Zeitpunkt benötigen:

  • Elektrofahrzeugbatterien,
  • Batterien für leichte Verkehrsmittel (LMT),
  • Industriebatterien mit mehr als 2 kWh

einen digitalen Batteriepass.

Der Batteriepass enthält Informationen zum Batteriemodell sowie Daten zur individuellen Batterie. Der Zugriff erfolgt über einen QR-Code am Produkt.

Textilien, Aluminium und Reifen: Rechtsakte für 2027 geplant

Für Textilien und Bekleidung, Aluminium und Reifen sieht der aktuelle ESPR-Arbeitsplan produktspezifische Rechtsakte im Jahr 2027 vor.

Bei Textilien nennt die Europäische Kommission derzeit Q4 2027 als geplanten Zeitpunkt für die Verabschiedung des delegierten Rechtsakts.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch: „DPP für Textilien ab 2027.“

Erst der finale Rechtsakt legt die konkreten Datenanforderungen und den Anwendungszeitpunkt fest. Durch die reguläre Übergangsfrist von mindestens 18 Monaten ist eine praktische DPP-Pflicht entsprechend später zu erwarten.

Bauprodukte: eigener Digitaler Produktpass

Auch für Bauprodukte entsteht ein eigenes DPP-System auf Grundlage der Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110.

Das System soll mit dem DPP der ESPR interoperabel sein. Nach Inkrafttreten des entsprechenden delegierten Rechtsakts soll das System innerhalb von sechs Monaten betriebsbereit sein; die entsprechenden Pflichten gelten grundsätzlich nach 18 Monaten.

2028: Möbel

Für Möbel sieht der ESPR-Arbeitsplan derzeit einen produktspezifischen Rechtsakt im Jahr 2028 vor.

Unter Berücksichtigung der Übergangsfrist könnten konkrete DPP-Pflichten damit insbesondere ab 2029/2030 relevant werden. Der genaue Termin steht jedoch erst mit dem endgültigen Rechtsakt fest.

2029: Digitaler Produktpass für Detergenzien

Für Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln ist der Zeitplan bereits konkreter.

Die neue Detergenzienverordnung (EU) 2026/405 verpflichtet Hersteller, für erfasste Detergenzien und Tenside einen Digitalen Produktpass zu erstellen. Die Verordnung gilt grundsätzlich ab dem 23. September 2029.

Der DPP muss unter anderem Produktidentifikation, Konformitätsinformationen und die vorgeschriebenen Daten aus Anhang VI enthalten.

2030: Kein allgemeiner DPP-Stichtag

Auch 2030 gibt es keinen allgemeinen Termin, ab dem plötzlich alle Produkte einen Digitalen Produktpass benötigen.

Die Einführung erfolgt produktgruppenspezifisch. Rechtsakte, die beispielsweise 2028 oder 2029 verabschiedet werden, können aufgrund der Übergangsfristen erst 2030 oder später wirksam werden.

Unternehmen sollten deshalb nicht nur nach „DPP ab 2027“ oder „DPP ab 2030“ suchen, sondern konkret prüfen: Welche Produktgruppe ist betroffen, wann wird der zugehörige Rechtsakt verabschiedet und welche Daten müssen zukünftig bereitgestellt werden?

Fazit: Jetzt auf den DPP vorbereiten

Der Digitale Produktpass kommt schrittweise. Für Batterien beginnt die erste große Pflicht bereits am 18. Februar 2027. Eisen und Stahl, Textilien, Aluminium, Reifen, Möbel, Bauprodukte und weitere Produktgruppen folgen.

Auch wenn die endgültigen Datenfelder für viele Branchen noch nicht feststehen, lohnt sich die Vorbereitung bereits heute. Unternehmen können Produktdaten strukturieren, Datenquellen identifizieren und die technische Bereitstellung über QR-Code und DPP-Plattform vorbereiten.

Dabei kann der Digitale Produktpass mehr sein als eine regulatorische Pflicht: Er bietet gleichzeitig einen digitalen Zugangspunkt für Produktinformationen, Dokumente, Ersatzteile, Service, Garantie oder Kundenkommunikation.

Stand: September 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Regulatorische Anforderungen und Durchführungsrechtsakte können sich ändern.